Unternehmensverkäufer verschenken Geld

Wie in der Getränkebranche geschaffene Werte verloren gehen

Der Mittelstand ist der Motor der Wirtschaft. Mittelständische Unternehmen erwirtschaften mehr als die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung und beschäftigen weit mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer. Sie sind kreativ und flexibel, nur eines sind sie nicht - strategisch.

 

Diese Aussage ist sicherlich sehr pauschal und für manche Unternehmer unzutreffend. Fakt ist, dass mittelständische Unternehmer ihren Fokus auf dem Markt haben, dass ihre Kernkompetenz in der Regel der Vertrieb ist und dass strategische Aspekte der Unter­nehmensentwicklung oft nicht beachtet werden. Dies wird besonders offensichtlich bei einem Anlass, der Unternehmensnachfolge. Hier zeigen sich bei mittelständischen Unternehmen erhebliche Defizite. Die Firmeninhaber kennen den Wert des eigenen Unternehmens in der Regel überhaupt nicht, sie haben das „ewige Leben“ und schieben alle Nachfolge-überlegungen mit Regelmäßigkeit vor sich her.

Dieses Phänomen tritt häufig in der stark mittelständisch geprägten Getränkebranche auf.

Vorbereitung mit Vorlauf

Um die Unternehmen einige Jahre vordem geplanten Zeitpunkt verkaufen oder in die nächste Generation übertragen zu können, bedarf es einer langen Vorbereitung. Dabei sollte der Fokus auf zwei Bereiche gelegt werden:

1.   die intensive Auseinandersetzung mit dem Wert des eigenen Unternehmens und den Faktoren, die den Wert steigern oder vermindern (Werttreiber/Wertvernichter),

2.   die Schaffung von Transparenz und Compliance.

Nur wenn ein Unternehmen jahrelang so geführt wird, als wenn es jederzeit verkauft oder zumindest problemlos übertragen werden könnte, erzielt man den bestmöglichen Erfolg bei der Unternehmensnachfolge.

Bis zu 40 % aller Unternehmen, die konkret einen Verkauf oder eine Nachfolge planen, sind nicht auf diese Transaktion vorbereitet. Als Konsequenz ergibt sich, dass überhöhte Wertvorstellungen die Preisverhandlungen belasten und zugleich schlechtes Aufgestelltsein den tatsächlichen Wert drückt.

Mehr als der Immobilienbesitz

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie es nicht sein sollte. Ein Mineralbrunnen aus dem Süddeutschen suchte einen Käufer. Der Eigentümer beschloss zunächst, den Wert des Unternehmens ermitteln zu lassen, was grundsätzlich richtig ist. Allerdings beauftragte er hiermit einen Immobilienbewerter. Der mittelständische Unternehmer war offensichtlich der Auffassung, dass das wesentliche Asset seiner Unternehmung die Immobilien sind, die Produktionshallen, Bürogebäude und Flächen. Die alleinige Beauftragung des Immobilienbewerters zeugt davon, dass er die anderen Wertfaktoren eines Mineralbrunnens nicht ins Kalkül zog:

  •  die Marke,
  •  die Quellen und die entsprechenden Qualitätszeugnisse,
  •  den Kundenstamm,
  •  die stillen Reserven in den Verpackungen (Leergut) ,
  •  die Fertigungs- und Vertriebsorganisation und
  •  die mittel- bis langfristigen Erfolgsaussichten am Getränkemarkt

Schon dieses einfache Beispiel zeigt, wie verzerrt eine so erstellte Bewertung sein muss.

 

Werttreiber Getränkemarkt